Debbie Dunn Grifka

Darf ich Dir Debbie Dunn Grifka vorstellen? Ich habe diese unglaublich sympathische und freundliche Künstlerin hier in Ann Arbor kennengelernt, wir sind beide Mitglied in unseren lokalen Quiltgilden, der Greater Ann Arbor Quilt Guild und der Ann Arbor Modern Quilt Guild. Und jetzt freue ich mich, Euch miteinander bekannt zu machen. Ein großes Dankeschön an Debbie, die sich die Zeit genommen hat, meine Fragen zu beantworten.

Debbie Dunn Grifka im Februar 2020

Debbie entwirft moderne und unverwechselbare Quiltdesigns, die sofort ins Auge fallen. Ihr Spiel mit (sehr wenigen) Farben und der kraftvolle Einsatz von Linien verleihen ihren Werken Eleganz und Nachdruck.

Debbies Quilts werden in den großen Quiltshows (International Quilt Festival in Houston und die Shows der American Quilter’s Society) gezeigt und gewinnen regelmäßig Preise bei internationalen Wettbewerben, zum Beispiel Canterbury #2 (1. Platz in der Kategorie Appliqué bei der QuiltCon 2018) oder Notre Dame (Gewinner in der Kategorie Modern Quilts beim Beyond the Festival of Quilts, 2020).

Canterbury #2, 2017
“Inspiriert von meinem Besuch in der Kathedrale von Canterbury, England im Juni 2017. Basierend auf meinem eigenen Foto”.
Gewinner des ersten Platzes in der Kategorie „Appliqué“ auf der QuiltCon 2018.
Schwarz und Weiß, 38 “x 38”

Neben vielen Veröffentlichungen in Büchern und Magazinen hat Debbie 2016 auch ein eigenes Buch geschrieben (Lines by Design Quilts (Fons and Porter)).

Mehr zu ihr findest Du hier: https://debbiegrifka.com und hier: Instagram @debbiegrifka

Besonders spannend sind auch Debbies Serien, 6000 Minuten oder #100DayProject – schau es Dir auf ihrem Instagram-Account an. Außerdem gibt sie Workshops zu unterschiedlichen Quilttechniken und zum Thema Kreativität.

Du kannst sie zum Beispiel hier sehen und hören: The Quiltshow 

Grifology #1, 2018
“Sprachen haben mich schon immer fasziniert. Inspiriert von meinem 100-Tage-Projekt von 2018 (Postkarten mit schwarz-weißer Improv-Appliqué) und die Kommentare dazu, dass diese Stücke aussähen wie Hieroglyphen oder eine Geheimsprache, habe ich weiter mit dem Thema experimentiert und 20 Blöcke mit improvisierter Schrägband-Appliqué gemacht. Um die Sprach-Idee weiter auszubauen, habe ich die Böcke in einer Art Brief-Format angeordnet, in der gleichen Reihenfolge, wie ich sie gemacht habe. Der Name, Grifology, spielt mit dem Wort Graphologie (das Studium von Handschriften und Symbolen) und meinem eigenen Nachnamen”.
Schwarz und Weiß, 60″ x 60″

Wie, wann und warum hast Du angefangen zu quilten oder zu nähen?

Ich nähe solange ich denken kann, aber so richtig Feuer habe ich in meinen frühen Teenie-Jahren gefangen. Anfangs habe ich hauptsächlich Kleidung und ein bisschen Deko-Sachen genäht. Meine erweiterte Familie lebt auf der anderen Seite der Erde. Soweit ich weiß, gibt es keinen weiteren Quilter in meiner Familie, und ich kannte damals auch niemanden, der quiltet. Mich hat einfach immer die Idee fasziniert. Nachdem ich jahrelang mit dem Gedanken gespielt hatte, habe ich 2002 endlich mit dem Quilten angefangen – und war sofort verliebt. Mein jüngeres Kind hatte gerade das erste Schuljahr beendet, wahrscheinlich hatte ich deshalb ein bisschen mehr Zeit in meinem Alltag. Ich wollte diese Lücke damit schließen, etwas zu machen, das nur für mich war. Das war zu der Zeit keine so bewusste Entscheidung, aber wenn ich zurückschaue, war das ganz klar.

 

Hier kommt die Preisfrage: Moderne, traditionelle, zeitgenössische, Kunstquilts: was begeistert Dich am meisten? Und warum?

Ich habe mit traditionellem/zeitgenössischem Quilten angefangen, bin dann zum modernen Quilten gekommen und sehe mich heute als Moderne Art Quilterin. Also: alles! Ich finde, es ist gerade das Schöne am Quilten, dass man machen kann, was man möchte. Du kannst heute einen Kunstquilt machen, nächste Woche einen traditionellen und dann einen modernen Quilt im nächsten Monat.
So richtig begeistert es mich, eine Idee zu haben und sie in Stoff umsetzen zu können. Ich beschreibe meinen Stil als modernen Minimalismus. Ich bin fasziniert davon herauszufinden, wieviel ich wegnehmen und kondensieren kann, und trotzdem die Essenz meines Motivs oder Idee zu erhalten.

Ephemeral Elegance, 2010 1. Platz in “First Entry to an AQS Show, Small Wall Quilts”, American Quilter’s Society, Paducah, KY 2011

Lass uns mal persönlich werden: Wer ist Debbie Dunn Grifka? Erzähle uns ein bisschen von Dir. Was sollten wir unbedingt von Dir wissen? Verrätst Du uns Deine Lieblingsmacke oder was Dich zum Wahnsinn treiben kann?

Ich bin in der Nähe von London geboren, meine Eltern sind Australier, und ich bin in Ann Arbor, Michigan aufgewachsen. Als Kind habe ich immerzu Sachen gemacht, meistens textile Handarbeiten – weben, stricken, sticken und nähen, aber ich habe  mich selbst nie als kreativ oder künstlerisch begabt betrachtet. Erst das Quilten hat mir gezeigt, dass ich beides bin!
Mein Mann und ich haben zwei Kinder, junge Erwachsene, die beide verheiratet sind und beide noch im Studium. Ich selbst habe einen betriebswirtschaftlichen Abschluss an der Universität von Michigan. Ich habe dann hauptsächlich in Buchhaltungs- und Verwaltungsjobs gearbeitet, bevor ich mich 2013 ausschließlich auf das Quilten konzentriert habe. 2009 hatte ich mein Schnittmuster-Geschäft, Esch House Quilts, eröffnet. Seit 2016 entwerfe ich keine neuen Schnittmuster mehr, sondern fokussiere mich auf die Anfertigung von Einzelstücken (meine Schnittmuster sind aber noch auf meiner Webseite erhältlich). 
Außer der Arbeit an neuen Quilts ist meine größte Leidenschaft im Moment das Reisen. Ich hatte auch in der Vergangenheit schon die Möglichkeit zu einigen Reisen, aber habe Lust auf viel mehr davon!
Wegen der Lieblingsmacke hätte ich am besten meine Kinder fragen sollen! Ich glaube, eine meiner Macken ist, dass ich gerne heißen schwarzen Tee mit Milch trinke. Ich mag keinen Kräutertee und auch keinen Eistee. Nur heißen Tee mit Milch 😊

Holiday Sweater, 2014
“Einer meiner Lieblingspullover aus Kindertagen war ein rot-weißer, nordisch inspirierter Schneeflockenpullover. Ich habe diese geliebten Kindheitserinnerungen mit “Holiday Sweater” wiederhergestellt. Er ist genau die Art von Weihnachtsdekoration, die ich in meinem Zuhause haben möchte – eine, die Festtagsstimmung verbreitet, aber auch nach Neujahr noch liegen bleiben kann. Ich denke, alles, was rot ist, kann mindestens bis zum Valentinstag draußen bleiben! Kathy Koch hat das Quilten übernommen. Wir haben es so gestaltet, dass es ein bisschen wie die Strickstiche eines echten Pullovers aussieht”.

Was machst Du, wenn Du gerade nicht quiltest? Wie sieht ein perfekter Debbie-Tag aus?  

Ich liebe es, am Wasser zu sein! Wenn ich zuhause bin, lese oder stricke ich gerne (und höre ein Hörbuch) und genieße gutes Essen und Wein mit Familie oder Freunden.

 

Zurück zum Quilten: Welchen Schritt des Quiltprozesses magst Du am liebsten?

Am meisten mag ich das Designen. Es ist aufregend, eine Idee zu haben und damit zu spielen, um herauszufinden, wie ich sie umsetzen kann. Am anderen Ende des Prozesses – das Quilten selbst ist sehr meditativ und ich mag das irgendwie hirnlose Hin- und Hernähen – meistens mit einem Podcast oder Hörbuch.

Sedimentary, 2011
“Dieser Quilt begann mit der Idee, einen Quilt aus Streifen herzustellen, wobei der zweite Streifen in jeder Reihe eine Kontrastfarbe hat. Nachdem ich die Idee skizziert hatte, erinnerte sie mich daran, in der Schule etwas über Sedimentgesteine gelernt zu haben. Ich habe die Gesteins-Einheiten immer geliebt. Bei der Auswahl der Stoffe konnte ich dem Kontrast der lebendigen Orange-Töne und der beruhigenden Graus nicht widerstehen. Ich habe Sedimentary mit einfachen horizontalen Linien gesteppt, um die Idee des Zusammenegesetzseins zu verstärken”. 54″ x 72

Zeigst Du uns Deinen Lieblingsquilt?

Im Moment ist Notre Dame mein Lieblingsquilt. Vor Notre Dame habe ich einige erfolgreiche Quilts in meiner Architektur-Serie gemacht, aber keiner war größer als 40 Zoll (gut ein Meter) im Quadrat. Als ich anfing, über Notre Dame nachzudenken, wusste ich, dass er groß sein musste. Der Quilt ist fast 60 x 80 Inch (fast 1,5 x 2 Meter). Ich bin stolz auf meine Arbeit mit dem Schrägband und das Quilting. Vor kurzem habe ich damit in der Kategorie Moderne Quilts beim ‚Beyond The Festival of Quilts‘ der ersten Platz gewonnen. Der Quilt basiert auf einem Foto, das ich gemacht habe, als ich 2017 Notre Dame besichtigt habe. Das war mein erster Besuch dort und ich bin so froh, dass ich diesen unglaublichen Ort noch erleben durfte, bevor der katastrophale Brand passiert ist. 

Notre Dame, 2019 Erster Preis in Modern Quilts beim Beyond The Festival of Quilts, 2020, Foto von Patrick Young

 

Anmerkung: Das Festival of Quilts findet normalerweise jedes Jahr in Birmingham, England, statt und zieht als größtes Quilt-Event Europas mehr als 26,000 Besucher an. Es beheimatet außerdem den weltweit größten offenen Quilt-Wettbewerb. 2020 wurde daraus ‚Beyond The Festival of Quilts‘ – alles fand online statt.

Was machst Du, wenn Du einen kreativen Block hast? 

Der für mich beste Weg aus einem kreativen Loch herauszukommen ist, einfach anzufangen, irgendwas zu machen – oft wähle ich dafür ein Wohltätigkeitsprojekt. Das Nähen selbst ist eine wunderbare Therapie, und dann kommt auch die kreative Seite meines Gehirns wieder in Bewegung. 

 

Verrätst Du uns Deinen coolsten Trick, beste Methode, Erkenntnisse – quiltbezogen oder nicht?  

Ich habe immer damit gekämpft, einerseits meine bestmögliche Arbeit liefern zu wollen, andererseits aber wegen so vieler Ideen und Abgabefristen der Versuchung zu widerstehen, schnell zu machen und schludrig zu werden. Ich habe gelernt, kleine Imperfektionen auszuhalten und verbessere nur noch Sachen, von denen ich weiß, dass sie mich im fertigen Quilt ärgern werden. Außerdem versuche ich, realistischer einzuschätzen, wieviel Zeit ich für einzelne Aufgaben brauche 😊

 

Bist Du Mitglied in einer Quilt-Gilde? Wenn ja, was würdest Du jemandem davon erzählen, der noch nicht mal weiß, was Gilden eigentlich sind? 

Ich bin Mitglied in zwei Gilden –  der Greater Ann Arbor Quilt Guild and the Ann Arbor Modern Quilt Guild.  Ich habe so viel dadurch gelernt, dort Mitglied zu sein! Leute haben Ideen und machen Quilts, die ich mir im Traum nicht hätte vorstellen können. Außerdem mag ich es, Zeit mit Menschen zu verbringen, die das Quilten so sehr lieben wie ich. Es gibt da fast so eine Art „Steno“-Unterhaltungen zwischen uns Menschen, die einen gleichen Bezugsrahmen haben. 

Curried Plums, 2011
“Curried Plums war mein Beitrag in die Project-Modern-Challenge ‚Find Your Own Voice‘. Ich fand, dass meine Stimme sich „… über Minimalismus, klare Linien, kühne Formen und begrenzte Farbpaletten“ definiert. ‘Es geht um Stoff und Faden und Batting’.”

Warum quiltest Du? Kannst Du den Zauber von Quilts erklären?

Die Beschaffenheit von Stoff ist eine der großen Lieben meines Lebens. Diese Liebe habe ich teilweise von meinem Vater gelernt, der seine Liebe dafür mit mir geteilt hat. Dazu kommt, dass wir von Geburt an in Stoff gewickelt und von Stoff umgeben sind, in Bettwäsche und Kleidung. Stoff gibt so viel Wärme und Behaglichkeit. Auch wenn ich an etwas arbeite, das kein funktionaler Quilt ist, es ist die Textur, die dem Werk Leben verleiht.

Gateway, 2018
“Ich war fasziniert von den „Garten-Zimmern“ im Freien in Versailles, als wir 2017 Frankreich besuchten. Sie wirkten wie geheime Gärten – genau der Ort, den ich als Kind geliebt hätte”. Schwarz und Weiß, 39″ x 32″

Was meinst Du dazu?