Keine Angst vor großen Veranstaltungen

Wie gehe ich eine Quilt-Messe oder große Ausstellung am besten an?

So eine Großveranstaltung kann schon ganz schön einschüchternd sein. Meist in einer Stadt, in der man sich nicht auskennt, plus SOOOO viel zu sehen. Ich leide unter ausgeprägter FOMO (Fear of missing out, also die Angst, was zu verpassen). Deswegen hat man mich bei QuiltCon, Quiltweek und Co meistens ziemlich unentspannt und rastlos angetroffen. Es ist besser geworden, seit ich mir gezielt überlegt habe, wie ich das besser machen kann. Und das möchte ich heute endlich mit Dir teilen…

Music City Center in Nashville, 2019

Der Artikel lag schon eine ganze Weile in meinem Computer herum, als ich Emanuela mit ihren Gästinnen Renate (von rlebt), Ingrid (von Joe, June and Mae) und Stefanie (von Liesel und Fred) im Quiltkarussell darüber reden hörte und dachte: Warum poste ich ihn eigentlich nicht?

Also los:  

Die ersten drei Punkte 

sind ganz schnell erklärt:

1. Bequeme Schuhe

2. Bequeme Schuhe

3. Bequeme Schuhe

Zusatznutzen: Die sind so grell, da verliere ich meine Füße nicht

Kein Quatsch, die Betonböden sind hart, und wenn Du abends noch Spaß beim Essengehen haben willst, machen die Schuhe schnell den Unterschied. Und wo wir schon dabei sind: Zwiebellook ist auch immer gut. Ich habe mir mal auf einer Quilt-Show ein Longsleeve gekauft, weil ich so gefroren habe. Das war im August in Grand Rapids, draußen knallheiß, drinnen die Klimaanlage auf Minusgrade. Anderswo ist es dann vielleicht zu warm, dann ist es gut, wenn Du eine Hülle loswerden kannst.

 

Vorbereitung = Vorfreude

Ich melde mich an, sobald ich sicher bin, dass ich irgendwo hinfahren kann, bzw. wenn der Vorverkauf startet. Für Workshops ist das eh unerlässlich, da sie schnell ausverkauft sind. Und wenn immer möglich: Belege einen Workshop, das macht soviel Spaß! Aaaber: Verplan Dich nicht, zuviel ist auch nicht schön. Du brauchst ja noch Zeit für die Ausstellung, für die anderen QuilterInnen und natürlich zum Einkaufsbummeln. Und vergiss nicht, die Materialliste gut und früh genug durchzulesen, damit Du alles beisammen hast, wenn es losgeht.

Auch für den normalen Eintritt ist es ratsam, sich anzumelden: Oft gibt es online und vorab bessere Preise, und man spart sich das Anstehen.

Wo Du gerade schon dabei bist: Sieh nach, ob es in der Gegend oder auf dem Weg nette Stoffläden oder andere Sehenswürdigkeiten gibt.

 

Plan oder nicht Plan?

Klar, und dann will ich alle (!) Quilts sehen. Einfach drauflos laufen und staunen. Das habe ich früher immer getan, bis ich endlich gemerkt habe, dass ich mir so das Leben unnötig schwer mache.

Mittlerweile mache ich mir immer schon vorab ein Bild. Und dadurch schrumpfen die großen Hallen, wirklich. Manchmal habe ich schon einen Flyer mit Informationen, oder ich schaue mich auf der Internetseite des Veranstalters um. Die großen Events haben eigene Apps mit allen Details.

So kann ich vorher sehen, welche Aussteller da sind, wie der Grundriss ist, wo was zu finden ist, zum Beispiel die Räume/Hallen für die Ausstellung und die Händler-Bereiche. Diese kleine Einteilung macht das Ganze schon handhabbarer.

Oft sind Ausstellungen noch mal unterteilt (in Spezialausstellungen, bestimmte Challenges etc.), so dass ich mir die großen Hallen weiter runter brechen und einteilen kann. So kann ich mir die Quilts der XY-Challenge ansehen, oder nur die Quilts der Kategorie Z, das sacken lassen und dann die nächste Abteilung. So nehme ich die Arbeiten intensiver sehr und kann sie besser einsortieren. 

Im Grunde hängt es von der Zeit ab, die ich zur Verfügung habe, wie ich es angehe. Je mehr Zeit Du Dir nehmen kannst, desto besser, ist ja klar. Viele Veranstaltungen gehen über mehrere Tage – nutz’ es, wenn Du kannst, und genieße es.

Wenn ich wirklich nicht viel Zeit habe, dann organisiere ich mich, weil … FOMO

In der Regel gibt es vorab auch einen Ausstellungs-Katalog oder eine Händler-Liste (mit Standnummern). Bin ich in Eile, mache ich mir Notizen im Handy, drucke den Hallenplan aus und kreuze an, wo ich unbedingt hin will, oder nutze die App. So mache ich das auch in großen Museen, wenn ich weiß, welche Kunstwerke ich bei einem knappen Zeitplan auf keinen Fall verpassen möchte.

Wenn ich genug Zeit habe, drehe ich zwei Runden (räusper, oder mehr) durch den Händlerbereich. Idealerweise einmal links rum, einmal rechts rum – weil die Stände aus unterschiedlichen Richtungen völlig anders aussehen. Manchmal denke ich, dass ich einen noch gar nicht gesehen habe, Perspektivwechsel eben. In jedem Fall: Kauf! Nicht nur, weil das natürlich Spaß macht. Sondern weil wir die HändlerInnen wirklich unterstützen müssen. Es ist ganz schön viel Extra-Arbeit (und Kosten), einen Stand in einer Messehalle aufzubauen.

Messen sind harte Arbeit (Novi Sewing Expo, 2021)

Ich habe immer Skrupel, gleich in der ersten Reihe mein ganzes Geld auf den Kopf zu hauen, weil ich ja nicht weiß, was noch kommt. Deswegen mache ich mir Fotos von etwas, das mir gefällt, und sammle dann erstmal. Das mache ich auch in den großen Antique Malls hier. Allerdings haben sich in Deutschland schon mal HändlerInnen aufgeregt, also besser fragen.

Deb’s Fishmuseum and Circus (war am zweiten Tag in Savannah 2017 ausverkauft)

Wenn ich dann durch bin, kann ich entscheiden, was wirklich mit muss, und gezielt zu den Ständen zurück gehen (Standnummer mit fotografieren!)

Amy’s Purple Pineapple Studio (Savannah, 2017)

Übrigens gehe ich immer erst in die Ausstellung, ich weiß ja nie, welche Ideen und Anregungen da auf mich warten. 

Wenn’s geht: Sprich mit den Quilterinnen oder mach eine Führung mit, da bekommt man soviel Extra-Wissen.

 

Demos

Häufig gibt es irgendwo eine Bühne, auf der 15-30-minütige Demonstrationen, Produktvorführungen, kleine Vorträge stattfinden – und die sind dann sogar im Eintrittspreis inbegriffen. Die sind meist super inspirierend und/oder informativ, oft kann man dabei auch interessante Quilterinnen erleben. Schau Dir das Programm an und bau die Termine in Deinen Show-Tag mit ein.

Und einfach so ein bisschen Jacquie Gering (QuiltCon in Pasadena, 2018)

Timing

Ich bin ein Fan von ‚Früher Vogel‘ – meistens sind die ersten ein bis zwei Stunden die besten. Kurzes Gerangel beim Einlass, und dann verläuft sich die kleine frühe Menge erstmal. Oft wird es auch in der letzten Stunde vor dem Schließen ruhiger, aber da habe ich dann immer Stress, dass ich nicht genug Zeit habe.

 

Das leibliche Wohl

Wenn ich wirklich keine Zeit mit Essen verlieren will, nehme ich mir Nüsse und Trockenfrüchte (die gesündere Variante) oder Schokoriegel (naja, aber lecker) mit, die ich im Gehen essen kann. Null Zeitverlust. Nicht gesellig, aber effektiv.

Wenn man bei den messe-integrierten Verpflegungsstationen essen will (meist ist das ungefähr so gesund wie meine Schokoriegel, aber viermal so teuer): Mach’s antizyklisch. Meide die normalen Zeiten, speziell zwischen 12 und 13 Uhr. Sieh nach, wann die Kurse enden oder Pause haben, zwei Minuten danach ist an den Essenausgaben der Teufel los.

Ganz wichtig: Hydriert bleiben, besonders in den klimatisierten Hallen mit trockener Luft! Ich habe immer meine Trinkflasche dabei (je leichter, desto besser, denn sie wird im Laufe des Tages immer schwerer, obwohl ich daraus trinke). Hier in Amerika gibt es überall Wasser-Nachfüllstationen zum Wassertanken. 

 

Budget?

Manche sagen, dass sie keine EC/Kreditkarte mitnehmen, zum Selbstschutz, sozusagen. Ich finde, das ist eine sehr persönliche Sache und 1:1 von Deinen Möglichkeiten abhängig.

Ein festgesetzter Betrag kann echt nützlich sein. Andere sagen: Hey, das kommt so oft nicht vor, lass es krachen. 

Du weißt selbst am besten, was Du mehr bereust: Wilde spontane Kauforgien oder der superschöne Stoff, den Du nicht gekauft hast und der Dich jetzt nachts nicht einschlafen lässt.

Eine Liste dessen, was Du brauchst, kaufen oder suchen willst, kann auch nicht schaden.

Manche Sachen will man einfach nicht verpassen

Ich ziehe meist mit meinem Bargeld los, das ich mir vorher für diesen Zweck zusammengespart habe und bewusst ausgebe. Allerdings habe die Kreditkarte sowieso immer bei mir. Und das nutze ich als Sicherheit, falls mir irgendwas teureres über den Weg läuft, das so eine einmalige Gelegenheit ist, dass ich es unbedingt kaufen muss. 

 

Hands free

Ich mag eine geräumige cross-body Umhängetasche, damit ich die Hände frei habe und viel einkaufen kann. Und obwohl ich bei Quiltveranstaltungen so absolut niemals damit rechnen würde: Als Bonus finde ich diese Art Taschen, wenn man sie vor dem Körper trägt, ziemlich taschendiebsicher.

In den allermeisten Veranstaltungsstätten kann man Taschen gegen einen Gebühr zur Aufbewahrung abgeben. Oft gibt es auch vor Ort eine UPS-Filiale, damit man seine Einkäufe gleich nach Hause schicken kann. Das ist praktisch, wenn man per Flugzeug unterwegs ist. Ich habe von Quilterinnen gehört, die ihre Wäsche nach Hause geschickt haben, damit sie im Koffer Platz für die (schwereren) Accuquilt-Stanzformen hatten. 

 

Geteilte Freude – doppelte Freude!

Das muss ich nicht extra erwähnen, aber ich tu’s doch: Mit einer Freundin macht es einfach mehr Spaß, keine Frage! Man kann sich beraten, der Zögerlichen einen Schubs geben oder die Freundin vor sich selbst schützen, wenn der Messewahn mit ihr durchgeht. Und alleine essen gehen ist eh nicht so toll.

Mit Freundinnen ist die Welt doppelt so schön – mindestens! Karis, Becca, Heike, Jen, Barb, Margaret, Tonia, Dani & Paula

 

Ach, Du bist … 

Bei vielen Veranstaltungen hier steht auf der Eintrittskarte, die man um den Hals hängen oder angeheftet hat, gleich Dein Name. Das finde ich klasse, weil es das Ganze so viel persönlicher macht. Wir schreiben dann immer noch per Hand den Instagram-Namen dazu… das hilft!

Hilft beim Kennenlernen

Viele haben auch Sticker, Aufkleber oder Visitenkarten dabei, zum Tauschen. Das ist besonders bei der QuiltCon ein Ding. 

 

Immer mit der Ruhe

Mach mal ´ne Pause! Nach x Quilts braucht auch das größte Patchworkerinnen-Herz oder -Auge mal ein bisschen Abstand.

Apropos Abstand: bewundere die Quilts, lass Dich inspirieren – aber nicht entmutigen! Vergleich nicht Deine Quilts mit denen in der Ausstellung, das führt unweigerlich zu Frust. Und den wollen wir nun wirklich von keiner Quilt-Show mit nach Hause bringen! 

Lieber Fotos: Mach viele Fotos (ohne Blitz) und teil sie mit jedem, soweit das nicht irgendwo verboten ist – im Zweifelsfall einfach jemanden fragen. Ich kenne es nur so, dass man Fotos machen und sie auch in den sozialen Netzwerken teilen darf. Denk daran, die QuilterIn namentlich zu erwähnen und möglichst zu taggen.

 

Packliste

  • Aufgeladenes Handy (und/oder Powerbank MIT Ladekabel)
  • Praktische Tasche
  • Wenn Du Kurse belegt hast: Materialliste frühzeitig durchlesen 
  • Snacks
  • Trinkflasche
  • Namensschild/Umhänger
  • Sticker oder Visitenkarten
  • Zwiebellook
  • Habe ich eigentlich bequeme Schuhe erwähnt?

3 Kommentare

  1. Wunderbar hilfreich, auch für kleinere Events in Europa… Wusstest du eigentlich: Das Allerwichtigste, wenn man so viel rumläuft, sind bequeme Schuhe! 😉 Liebe Grüße, Gabi

  2. Meine liebe Nico,
    es hat Spaß gemacht, deinen Beitrag zu lesen. Musste mehrmals schmunzeln. Habe dich in vielen Dingen wiedererkannt.
    Freue mich auf weitere Beiträge von dir.
    LG Anke

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