Quilt: Heißt es kilt oder kwilt?

Wie spricht man Quilt aus? Und was ist das eigentlich genau?

Ich habe früher immer Kilt gesagt, um möglichst englisch zu klingen. Bis ich dann gemerkt habe, dass es tatsächlich kwilt ausgesprochen wird.

Und was ist ein Quilt genau?

Ein Quilt ist nichts anderes als eine Steppdecke. Quilten bedeutet (ab)steppen. Für einen gescheiten Quilt braucht man eine (schöne) Oberseite, eine (wärmende) Füllung bzw. Wattierung, und eine Rückseite. So weit, so unaufregend.

Die Oberseite kann aus einem einzigen großen Stück Stoff bestehen (das nennt man dann Wholecloth) oder aus Stoffstücken zusammengenäht werden, daher kommt das ‚Patchwork‘.

Klingt jetzt nicht besonderes wichtig, aber bei Gutachten oder jurierten Quilt-Shows sind diese drei Lagen wirklich zwingend notwendig, denn sonst ist es kein Quilt, sondern eine Decke, Überwurf, Plaid… 

kuscheliges Bett oder amerikanisches Bett, Quilts in Amerika
Rechts: Nur was für Flundern?

In Amerika gibt es wenig Oberbetten oder Plumeaus wie wir sie benutzen. Betten werden so gemacht: Zuerst ein (Spann-)Betttuch über der Matratze (wie bei uns), dann ein weiteres Betttuch, und darüber eine Decke bzw. ein Quilt zum Wärmen. Das zweite Betttuch wird unter der Matratze eingeschlagen und festgesteckt. Man quetscht sich dann zwischen Bettuch eins und zwei und klemmt fest. Oder man lockert das Ganze, mit dem Effekt, dass das die warme Decke abrutscht und sich nachts irgendwo auf dem Fußboden versteckt. In Hotels haben alle meine Kinder immer ihre Fleecedecken dabei, weil wir uns einfach nicht an diese Schlafweise gewöhnen können.  

Das bedeutet: Quilts sind hier wirklich so verbreitet wie bei uns Bettdecken, in jedem Haushalt zugegen und selbstverständlicher Gebrauchsgegenstand.

Sie werden benutzt, gewaschen, wertgeschätzt oder auch nicht, aber zumindest sind sie einfach sehr präsent.

Quilt in einer Schaukel auf einer Covered Porch, Gewinner der Show in Paducah
„Welcome Home“ von David M. Taylor, Fort Collins, CO – 2. Preis AQS Show in Paducah, 2022

Unter QuilterInnen gibt es dann noch die Unterscheidung in moderne, kontemporäre und traditionelle Quilts. Das kann ich ein andermal erklären, wobei ich diese Schubladen sowieso wenig hilfreich finde und die Grenzen bisweilen verschwimmen. Moderne Quilts haben zum Beispiel häufig viel negativen Raum, klare Farben und nutzen oft Uni-Stoffe. Man kann aber auch uralte Muster vergrößern und/oder mit diesen modernen Stoffen nähen, und schon fangen die Grenzen an zu wackeln.

Dann gibt es noch Kunstquilts, Bettquilts, Wandquilts, Babyquilts, antike Quilts und fünf Millionen Techniken… und davon will ich hier bei bug&bee berichten.

Ganz besonders möchte ich von den Memory- oder Erinnerungsquilts erzählen, die mein Herz für sich eingenommen haben. Hier steht, wie es dazu kam. Quilts aus bedeutungsvollen Stoffen zu nähen, hat in Amerika eine sehr lange Tradition. Selbst die Quilts, für die tatsächlich aus purer Not und als Schutz vor Kälte abgetragene Kleidung recycelt wurde, werden von ihren Menschen als Teil ihrer Geschichte, als reiche Erinnerungsspeicher geachtet und geliebt. Diesen habe ich in einer Ausstellung in Flint gesehen, die mich unglaublich beeindruckt hat, schau hier.

Log Cabin Quilt Jeans aus Alabama, Upcycling Denim
Log Cain (Pig Pen Variation) von Catherine Somerville, Alabama, ca. 1950-1960. Baumwolle und Polyester, aus alten Arbeitshosen

Nicht immer recycelt

Viele Quilts, besonders die mit Patchwork, sind, wie gerade erwähnt, wirklich echte Recyclingprojekte, die aus übrig gebliebenen Bekleidungsstoffen und abgetragener Kleidung gemacht wurden, weil kein Geld da war, um Stoff kaufen zu können.

Aber das gilt nicht für alle alten Quilts. Es gibt auch Prunkstücke wie zum Beispiel sogenannte Baltimore Album Quilts aus den feinsten und sehr teuren Stoffen. Sie wurden von gutsituierten Frauen genäht – oder von deren Sklavinnen, um den Reichtum ihrer Besitzerinnen zu zeigen. Und sie waren, wie die Crazyquilts um 1900, ein ‚Must-have‘ der Inneneinrichtung. Sie waren gleichzeitig Beweis dafür, dass die Dame des Hauses so viel Zeit zum Müßiggang hatte, dass sie kleinteilige Quilts nähen und besticken konnte.

Kunst oder Hand oder Werk?

Dass Quilts ihren Platz in der Kunstwelt haben, dafür hat diese aufsehenerregende Ausstellung 1971 im Whitney Museum in New York gesorgt: Hier ein paar Eindrücke in meinem Instagram-Feed, als ich 2021 mir die Wiederholung dieser Ausstellung im Internationalen Quiltmuseum in Lincoln, Nebraska, anschauen konnte.
Ein paar Sammler und Kunststudenten sind in den 60er Jahren durch das ländliche Pennsylvania gefahren und haben auf den Wäscheleinen amische und mennonitische Quilts hängen sehen, die aussahen wie moderne Kunst in den Museen („Hey, das sieht ja aus wie ein Josef Albers„). Als sie dann eine Sammlung dieser ‚Decken‘ im renommierten Museum zeigten, empörte sich die Kunstelite: Handarbeitsausstellung? Doch das Publikum war hingerissen und hat kurzerhand mit den Füßen abgestimmt.

Gänsehaut in Lincoln: Wiederholung der Whitney-Ausstellung nach 50 Jahren

So, jetzt ist erst mal klar, was Quilts sind, oder? Und wie vielfältig. Ich nehme mir hiermit offiziell vor, Dir noch ganz viele unterschiedliche Quilts zu zeigen und zu beschreiben.

9 Kommentare

  1. Ich zucke immer zusammen, wenn jemand „Kilt“ sagt. Das sind doch die schottischen Männer-Röcke! (Wo ist eigentlich das Bild mit den strammen Waden geblieben, das mich hierhergelockt hat?) 😉 Nein, ehrlich, ich musste unlängst auch mal Begriffsklärung machen: Steppdecke, Patchwork, Quilt, was ist jetzt eigentlich was. Ich halte auch nicht viel von Schubladisierungen, aber andererseits finden wir uns dann leichter zurecht in der Vielfalt, nicht wahr? Liebe Grüße, Gabi

  2. Liebe Nico,
    ein sehr interessierter Beitrag, liest sich gut. Ich grinse immer in mich hinein, wenn mein Mann Kilt sagt und Quilt meint. Das ist wirklich sehr verbreitet. Aber wenn man sich damit nicht so gut auskennt, ist das ja auch kein Wunder. Hauptsache man meint das richtig! 🙂
    Ich habe gerade nochmals den Blogpost über den Stoffgeschäfte gelesen. Hach, wenn ich könnte, würde ich eine Bestellung bei dir aufgeben. Aber vielleicht sollten wir dich einfach mal besuchen. Das wäre tatal klasse. Hab eine schöne Zeit und lass es dir gut gehen.
    Herzliche Grüße
    Annette

    • Hihi, grundsätzlich ist es ja schon mal super, wenn Leute Quilts überhaupt wahrnehmen. Vielleicht sollte ich den Newsletter, den ich plane, ja Kwilt-News nennen, lol!

  3. Liebe Nico, dann freue ich mich schon sehr auf deine nächsten Posts.Dein Kilt- oder Quiltpost ist wie immer sehr informativ. Danke dafür.
    Viele Grüsse,
    Martina

    • Ach , Martina, das freut mich total! Und das Feedback macht mich ganz hibbelig, mehr zu schreiben :o)
      Liebe Grüße,
      Nico

  4. Ja, ist mir auch aufgefallen, dass in D Kilt anstatt Kwilt gesagt wird.
    Ich will da nicht immer die Leute korrigieren, kommen sich dann auch bloed vor.
    Ja, kwilten macht Spass, fuer mich am besten nur noch mit Nadel und Faden. 🙂

    • Hallo Antonie, so langsam komme ich auf den Geschmack, mit Nadel und Faden. Eigentlich ist langsam ja nichts für mich, aber handquilten ist irgendwie magisch!

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