Kits nähen ist unkreativ

Ich kann einfach nicht widerstehen, wenn mich Craftsy mit Kits lockt. Ja, nachmachen ist nicht gerade anspruchsvoll, und viele heben nur abfällig die Augenbraue, aber ich mag’s. Und wenn man das große Glück hat, in Figueras, Spanien, vorbei zu kommen und das noch größere Glück, das Dalí-Museum besuchen zu können, sieht man, wie unglaublich viel dieser ultrageniale und unfassbar kreative Geist während seiner Laufbahn a.b.g.e.m.a.l.t hat, schlicht (nee, nicht wirklich schlicht) Bilder anderer Künstler abgemalt, kopiert hat. Gris, Matisse, Barradas, van Gogh… hat er studiert und abgemalt, weiterentwickelt und so seinen unverwechselbaren, aber auch super facettenreichen Stil gefunden.

Also finde ich es völlig ok, dass ich am Anfang meiner sagenhaften Laufbahn (naja, wer weiß das schon?) mich von besseren Designern inspirieren und mir helfen lasse. So lerne ich Techniken und Muster mit der Sicherheit, dass das Ergebnis nicht ganz so schrecklich aussehen wird. Das motiviert mich. Und wenn ich bis an mein Lebensende Kits zusammennähe, sehe ich da auch nichts Verwerfliches drin, um ehrlich zu sein. Ich gebe schließlich nicht vor, eine große Quiltkünstlerin zu sein. Ich möchte Spaß haben und lernen.

Allerdings kommt ab und zu die Revoluzzerin durch. Dann kann ich mich nicht an die Vorgaben halten und mach es doch ein bisschen anders. So zum Beispiel mit dem „Off the Rails“-Quilt von Free Spirit/Rowan mit Stoffen aus The Kaffe Fassett Collective. Soso schön. Aber noch ein bisschen unter dem befreienden Einfluss des Impro-Workshops mir Sherri Lynn Wood werde ich die Blöcke nur in ihren Außenmaßen abmessen, sonst aber für die inneren Streifen der Blöcke zwei unterschiedliche Stoffe (mit der rechten Seite nach oben) aufeinander legen und fröhlich drauflos schneiden. Auf mich haben die Stoffe und Farben so etwas Vagabundenhaftes, Wildes, da kann ich nicht so exakte Kästen draus schneiden. Geht schon los mit der Nico-Dalísierung…

Noch was habe ich von Kits gelernt. Ich dachte nämlich, dass ich die Stoffe von Kaffe Fassett nicht wirklich schön finde. Zu bunt, zu durcheinander. Ich mag es lieber ein bisschen geordneter, klarer und symmetrischer. Ich habe dann trotzdem das Kit für das „Colorwash Throw“ gekauft, weil ich damals das Foto so sagenhaft schön fand.

Beim Auspacken war ich entsetzt, wie unglaublich hässlich ich manche Stoffe fand (sorry, Kaffe…). Trotzdem habe ich das ganze brav zusammengepuzzelt, genäht und meinen ganz erstes wirkliches Quilttop fertiggestellt, yay! Und war sehr sprachlos, wie wunderschön es wirkt. Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Selten habe ich einen Spruch so gut verstanden:

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile!

Anders herum ging es mir mit einer Tasche und dem Sternen-Sampler, den ich im Kurs von Biggi Irion in Dorthe Niemanns lalala-Laden gemacht habe. Ich habe viele Stunden damit verbracht, die schönsten, also wirklich die ALLERSCHÖNSTEN Stoffe aus dem Laden zusammenzusuchen (das war schwer, weil ja irgendwie alle schön… Du weißt schon). Schönheit addiert sich aber wider Erwarten nicht, jedenfalls nicht beim Patchwork. Das Endprodukt war dann schon schön, aber nicht nicht so atemberaubend, wie ich es mir beim Stoffaussuchen vorgestellt habe. Also: Man braucht auch Stoffe, die sich zurücknehmen, damit die Stars richtig leuchten können – fast wie im richtigen Leben.

Und um Kaffe wieder zu versöhnen: irgendwie greife ich dauernd wieder zu seinen Stoffen. Sie sind magisch, die Farben so dreist zusammengeprügelt, dass es aussieht wie in der Natur: unverschämt bunt, ohne dass sich Farben beißen (ist Dir schon mal aufgefallen, dass sich die unterschiedlichen Farben von Blumen nie beißen? Da fügen sich die unmöglichsten Kombinationen harmonisch ineinander). Also, Kaffe, da bin ich beim „Off the Rail“-Quilt und genieße die verschwenderische Vielfalt. Danke Dir!

2 Kommentare

  1. […] Ich habe ja hier schon beschrieben, dass ich Nähkits sehr hilfreich finde, ich mich aber auch nicht immer nur an Anweisungen halten kann. Also kommt hier ein Bild vom fertigen, aber eben nicht ganz braven „Off the rail“ Quilt mit den wilden Kaffe Fassett-Stoffen. Die Rückseite ist aus kuscheligem, dunkelrotem Fleece. […]

  2. […] Ich habe das Foto von diesem ungefähr ein mal ein Meter großen Wandbehang gesehen und konnte einfach nicht darum herum. Als ich mich dann endlich entschlossen hatte, das Kit zu bestellen, war ich umso enttäuschter, als die Stoffe kamen. Sie waren so hässlich. trotzdem habe ich mich dann über Karneval 2015 in Holland daran begeben, die kleinen Quadrate sortiert und nach Anleitung zusammengenäht. Und war dann so überrascht, dass mir der fertige Quilt so gut gefiel. Daran habe ich gelernt, dass die einzelnen Stoffe in der Summe vieler Stoffe ziemlich untergehen, dass sie sich gegenseitig unterstützen und die Wechselwirkung den Reiz ausmacht. Viel schöne Stoffe führt nicht zwangsläufig zu viel schöner Quilt. Lies hier, was mir noch zum Thema Kits nähen eingefallen ist. […]

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